Pressespiegel:

  • 13. Februar 2012

»Einen Schritt weiter«

Expertenanhörung zur Medizinerausbildung
Westfalen-Blatt, 13.02.2012

Windhorst war einer der Experten, die gestern vor dem Wissenschaftsausschuss des Düsseldorfer Landtags zur Frage einer Medizinerausbildung in der Region gehört wurden. Sein Eindruck: »Die Botschaft ist angekommen, dass wir diese Ausbildung brauchen, um dem Ärztemangel zu begegnen.« Aktuell fehlten in der Region insgesamt 250 Ärzte. Tendenz: steigend. Allein in Bielefeld ist jeder dritte Hausarzt 60 und älter. Nachfolger sind oft nicht in Sicht.
Eher verhalten in der Frage einer Medizinerausbildung in OWL waren Thomas May, Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Martin Litsch von der AOK-Direktion Nordwest und Christian Epp vom Medizinischen Fakultätentag. Der setzt auf den Ausbau der bestehenden Medizinfakultäten, musste aber erklären, warum dann eine Medizinerausbildung in Oldenburg und Augsburg zugelassen werde. Ebenso bezweifelte Epp, dass es eine Studie gebe, die klarmache, dass Mediziner in der Region bleiben, in der sie ausgebildet wurden. »Aber es gibt drei solche Studien«, listete Windhorst auf.
Der Chirurg sieht Chancen für eine Medizinerausbildung vor Ort, weil sich eine Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum anbahnt. Denkbar ist dies auch für den Bielefelder Uni-Rektor Prof. Dr. Gerhard Sagerer und Prof. Dr. Klaus Überla, Bochum. »Für uns ist wichtig, dass wir kein Regel-, sondern ein Modellstudium anstreben. Ab dem vierten oder fünften Semester haben die Studenten dann Kontakt mit den niedergelassenen Ärzten vor Ort oder mit den hiesigen Krankenhäusern«, sagt Windhorst. Damit würden sie auch hier »verortet«.
Guter Dinge ist nach der Expertenanhörung auch der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordnete Georg Fortmeier: Zwar habe der im Herbst von CDU und FDP eingebrachte Antrag eine Medizinfakultät (in Kooperation mit den Krankenhäusern) vorgesehen, aber man könne auch erst einmal anders starten: »Eine Fakultät sofort ist schwierig und kostet viel Geld, da wird es derzeit viele Widerstände geben. Eine Kooperation mit Bochum aber macht Sinn, zumal sich beide Hochschulen einig sind. Da bin ich optimistisch.« Auch sein Kollege Günter Garbrecht, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Landtag, denkt, dass sich die Überzeugung durchgesetzt habe, dass eine Kooperationslösung mit Bochum der geeignete Weg sei. Garbrecht hatte der Anhörung beigewohnt - um als Ostwestfale ein Signal zu setzen.
Unterstützung erhielten die Bielefelder durch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe und das Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor: Auch Dr. Dennis Ostwald prognostizierte ab 2024/25 einen massiven Ärztemangel. Dem müsse man jetzt begegnen: Denn die Ausbildung dauert.