Pressespiegel:

  • 14. November 2011

Traditionsfahne auf Dachbodenversteckt

SPD Dornberg feiert 100-jähriges Bestehen
Fahne von 1921: Hans-Georg Carstens, Ute Schäfer, Gerd Gieselmann, Norbert Gerth, Ulrich Windhager und Georg Fortmeier (von links) feierten das Jubiläum mit 70 Gästen.

Fahne von 1921: Hans-Georg Carstens, Ute Schäfer, Gerd Gieselmann, Norbert Gerth, Ulrich Windhager und Georg Fortmeier (von links) feierten das Jubiläum mit 70 Gästen.
Neue Westfälische, 14. November 2011

Dornberg (syl). Mit einem Festakt haben die Dornberger Sozialdemokraten ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 70 Gäste kamen in das Restaurant Kreuzkrug. Die Festansprache hielt Ute Schäfer, Landesministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Über die Geschichte der Partei sprach der Landtagsabgeordnete Georg Fortmeier.

Schäfer erinnerte an die Wurzeln der Partei, die bis 1848 zurückgehen. Damals habe es Arbeiterhilfsvereine gegeben. 1910 sei die Freie Scholle gegründet worden, um Bielefeldern preiswerten Wohnraum anbieten zu können. „Es ging und geht der SPD immer darum, die Existenz von Menschen zu sichern, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung zu unterstützen und den Kampf gegen Unterdrückung zu führen“, so die Ministerin. Wichtig sei, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu Bildung erhalten.

Schäfer sieht die „Gefahr einer Spaltung“. In Nordrhein-Westfalen werde jedes vierte Kind in eine „arme Familie“ hineingeboren. Einsparungen in den Bereichen Sport, Kunst und Kultur erteilt die Ministerin eine Absage: „Das sind Dinge, die eine Stadt lebenswert machen.“ Beim Ortsverein bedankte sich die Politikerin für die engagierte Arbeit: „Früher sind die Menschen unter Einsatz ihres Lebens für Ziele eingetreten.“

Fortmeier, Vorsitzender von 1985 bis 2010, einen Rückblick auf die Geschichte der Dornberger SPD. Die Gemeinde sei überwiegend landwirtschaftlich geprägt gewesen. Außerdem sei in Kirchdornberg seit dem 16. Jahrhundert auf der Zeche Friedrich-Wilhelms-Glück Steinkohle abgebaut worden. Dabei wurden Bergleute aus Polen und dem Ruhrgebiet eingesetzt. Um die schlechten Arbeitsbedingungen anzuprangern, habe es bald nach dem Ende der Sozialistengesetze Versammlungen der Arbeiterbewegung gegeben.

„Nach und nach gründeten sich dann die SPD-Ortsvereine“, so Fortmeier. Neben dem Parteileben spielte die Verankerung im Arbeitersportverein, in den Kulturvereinen und in der Arbeiterwohlfahrt eine wichtige Basis für die Partei. Nach dem Krieg setzten die Amerikaner den Sozialdemokraten Hermann Weike als Amtsbürgermeister ein, ihm folgte 1951 Wilhelm Weber, der bis zur kommunalen Neugliederung 1972 auch Bürgermeister der Gemeinde Großdornberg war. Erst 1994 gelang es der SPD wieder in Dornberg den Bezirksvorsteher zu stellen: Hans-Rolf Pade hatte von 1994 bis 1999 dieses Amt inne. „Als einziges Zeugnis aus der früheren Zeit hat unsere Traditionsfahne die Nazizeit überstanden“, berichtet der Landtagsabgeordnete. Auf dem Dachboden von Wilhelm Schuster sei sie versteckt gewesen.

In Dornberg gab es lange Zeit sieben Ortsvereine, von denen sich Kirchdornberg und Niederdornberg-Deppendorf sowie Wellensiek vor zehn Jahren dem Ortsverein Großdornberg angeschlossen hatten. Im Februar dieses Jahres schlossen sich die übrigen zum jetzigen Ortsverein Dornberg zusammen. Einige ehemalige Ortsvereine wie Babenhausen, Hoberge-Uerentrup oder Kirchdornberg sind älter als 100 Jahre, andere wie Wellensiek oder Lohmannshof sind deutlich jünger. Heute zählt die Dornberger SPD knapp 200 Mitglieder. Vorsitzender ist Hans-Georg Carstens.