Pressespiegel:

  • 20. Oktober 2011

Schulschließungen kein Thema mehr

Schüler-Mindestgrenze jetzt bei 92 / Freude bei Eltern
Neue Westfälische, 20.10.2011

Bielefeld. Die Nachricht löste gestern Nachmittag bei den Fördervereinen und Schulpflegschaften vieler Grundschulen große Freude aus: Die Diskussion um Standortschließungen in Bielefeld ist wohl vom Tisch. Grund: Der Landtag hat mit den Stimmen von SPD, CDU und Grünen beschlossen, die Mindest-Schülerzahl von 192 auf 92 zu senken. Der Beschluss gilt laut Georg Fortmeier, Landtagsabgeordneter der SPD, ab sofort.

Dies betrifft vor allem die kleinen Grundschulen. Galt es bisher als ausgemacht, dass Grundschulen auf Dauer zweizügig geführt werden müssen, so können sie nun auch einzügig existieren. Diese Mindestgröße war bislang einer der Hauptgründe für die umstrittenen Schulschließungen in Bielefeld. Fortmeier: "Jetzt haben wir vor Ort die Freiheit, zu entscheiden, ob uns der wohnortnahe Standort so wichtig ist, dass wir die kleinen Schulen erhalten." Er könne sich nicht vorstellen, dass nun noch irgend jemand in Bielefeld ernsthaft an den Schulschließungen festhalten werde.

Seit rund eineinhalb Jahre läuft die Diskussion um mögliche Schließungen von Grundschulen in der Stadt. Auf der Streichliste von politischer Mehrheit (SPD/Grüne/FDP) und Verwaltung standen: Hellingskampschule, Josefschule, Grundschule Schröttinghausen, Brocker Schule und Grundschule Hoberge. Letztere hat inzwischen den Weg zu eine evangelische Bekenntnisschule beschritten, um sich so der drohenden Schließung zu entziehen.

Zwischenzeitlich sammelte eine Bürgerinitiative gegen die Schließungen rund 40.000 Unterschriften. Auch die Opposition positionierte sich gegen die Pläne, die wegen des Widerstands nochmal revidiert und verschoben wurden. Gerade in diesem Monat wandert eine Vorlage der Verwaltung durch die Bezirksvertretungen, die unterschiedliche Szenarien skizziert – von Schließungen einzelner Standorte bis hin zu Verbünden. Diese Vorschläge sind nun überholt. "Der Beschluss des Landtags ist ein eindeutiges Signal", sagt Andreas Rüther (CDU), Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt. "Die Schulen können aufatmen", auch wenn der Stadt als Schulträger die Eigenständigkeit bei Entscheidungen nicht genommen werde. "Aber wir müsse nicht mehr schließen."

Schulverwaltungsleiter Georg Müller kündigte denn auch gestern im Gespräch mit der NW an, dass die aktuelle Verwaltungsvorlage an verschiedenen Stellen überarbeitet werden müsse. Vor allem die Grundschule Hoberge darf sich als bereits gerettet betrachten. Bei den anderen Grundschulen müsse geprüft werden, ob wegen zu geringer Klassengrößen weiterhin Verbundlösungen in Betracht kommen. "Da hat sich unsere Arbeit ja gelohnt", sagte Bettina Kämper vom Förderverein der einzügigen Grundschule Schröttinghausen hoch erfreut. "Ich höre das mit viel Freude", sekundiert Peter Edinger vom Stadtelternrat. Sehr gut sei, dass nun mit dem Ende der Fixierung auf eine bestimmte Zahl der Druck raus sei.

Zurückhaltener äußert sich noch Annette Davidsohn von der Bürgerinitiative gegen die Schulschließungen. "Sicher fühlen wir uns durch den Beschluss des Landtags bestätigt", sagt sie, "aber noch haben wir ihn nicht schriftlich, und wir müssen auch noch die Ratssitzung am 10. November abwarten um zu wissen, wie die Bielefelder Politik damit umgeht".